Ein steinzeitlicher Grubenbrand
Am 3. Juniwochenende waren wir zu Besuch im Steinzeitpark Albersdorf in Dithmarschen. Für einen befreundeten Archäologen, der dort im Trichterbecherhaus jeden Sommer einen Teil seines Urlaubs verbringt, haben wir viele Repliken aus der Trichterbecherkultur (4200 - 2800 v. Chr.) hergestellt, die er für das tägliche Leben dort benutzt. Seine Erfahrungen verarbeitet er in ausführlichen Berichten, die mittlerweile durchaus den Umfang einer Masterarbeit haben.
Die Leidenschaft für Repliken vorgeschichtlicher Keramik ist vor 20 Jahren während unserem Steinzeitexperiment geweckt worden.
Unter anderem haben wir einen kleinen Grubenbrand durchgeführt. Dafür haben wir drei durchgetrocknete Kümpfe (henkellose Gefäße), Repliken aus der Bandkeramischen Kultur mitgebracht, hergestellt aus rotbrennendem gemagerten Ton. Die Bandkeramische Kultur ist die älteste bäuerliche mitteleuropäische Kultur der Jungsteinzeit (ca. 5500 bis 4500 v. Chr.).
Im Gegensatz zum offenen Feldbrand braucht man bei einem Grubenbrand wesentlich weniger Holz, da die Hitze nach innen konzentriert wird. Außerdem ist die Gefahr durch von Wind hervorgerufenen Rissen minimiert.
Auf ein kleines heruntergebranntes Vorwärmfeuer werden die Gefäße in die Grube gestapelt, die Öffnungen möglichst nach innen und mit Platz zu den Seitenwänden. Die restliche Luftfeuchtigkeit wird jetzt komplett ausgetrieben, bevor rund um die Gefäße ein zunächst kleines Feuer entfacht wird. Wichtig ist, nicht zu viel und zu schnell nachzulegen, damit die Temperatur nur langsam gesteigert wird. Nach etwa 2 Stunden ändert sich die Brennfarbe langsam von gelb zu rot. Wenn schließlich nach ungefähr 3 Stunden alles mit Feuer bzw. Brennmaterial bedeckt ist, kann organisches Material (trockene Blätter, Stroh etc.) darübergegeben werden, bevor alles mit Erde bedeckt wird.
Der Kohlenstoff, der durch die unvollständige Verbrennung entsteht, dringt in die offenen Poren der Gefäße ein und färbt sie dadurch schwarz. Zusätzlich sorgt er dafür, dass die Gefäße etwas abgedichtet werden, denn bei der niedrigen Brenntemperatur ist der Scherben noch porös.
Jetzt ist Geduld gefragt, denn man kann die Gefäße erst am nächsten Tag vorsichtig ausgraben. Auch dabei darf man nicht zu schnell vorgehen, sie können noch heiss sein und durch Wind einen Temperaturschock bekommen.
Der anschließende Test mit Wasser, welches eine Zeit lang in den Gefäßen steht, zeigt, dass sie ordentlich durchgebrannt sind. Jetzt können sie auch zum kochen im Lagerfeuer benutzt werden.
Ein fertiger Kumpf
Wasser kochen
Vielen Dank an Museumsdirektor Dr. Kelm und seine Mitarbeiter, die uns mit offenen Armen empfangen haben. Ein besonderer Dank geht an Eugen und Bastian.
Fotos: Golowin, Burberg





